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Dienstag, 26. Februar 2019

Wenn Monopol keinen Spaß mehr macht: Verscherbelt DuMont Kölner Stadt-Anzeiger und Express?

Auflagenzahlen im Sturzflug, Zusammenlegung von Redaktionen: So manches deutete in den letzten Jahren daraufhin, dass es dem Kölner Medienmonopolisten DuMont nicht allzu gut geht. Nun sollen laut Horizont und Meedia.de alle Regionalmedien wie Kölner Stadt-Anzeiger, Kölner Express, Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Mitteldeutsche Zeitung und die Hamburger Morgenpost verkauft werden. Auch die Anzeigenblätter und die Druckereien sollen betroffen sein.

Die imposanten, hinter Glas gefangenen Laubbäume an der Amsterdamer Straße in Köln-Niehl, dem Sitz des DuMont Verlagshauses, täuschen. Die Auflage des Kölner Stadt-Anzeigers (wird seit 1999 gemeinsam mit der Kölnischen Rundschau ausgewiesen) sank innerhalb von 20 Jahren um 42 Prozent. Beim Kölner Express schaut es noch dramatischer aus. Hier implodierte die Auflage innerhalb von zwei Jahrzehnten um satte minus 70 Prozent.

Insgesamt betrachtet, erscheint DuMont noch gerade so in der Gewinnzone [2017: 615 Millionen Euro Umsatz; 6,5 Millionen Euro Gewinn = immerhin eine Verdoppelung, im Jahr 2016 waren es nur 3,2 Millionen Euro Gewinn]. Beim Doch-noch-Rendite-machen helfen unter anderem Arbeitsplatzabbau, Tarifflucht, die Mindestlohn-erst-später-Übergangsregelung für Zeitungszusteller sowie die Absenkung des Arbeitgeberbeitrags zur Rentenversicherung für minijobbende Zustellerinnen und Zusteller. Das kann man erbärmlich, asozial oder notwendig finden: Trotzdem ist die Zeit der hohen Monopol-Renditen im Kölner Raum und überall längst vorbei.


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Der Verlag versuchte zu sparen, wo es nur ging. So berichtete die Taz im Mai 2018, dass DuMont seine Hauptstadtredaktion auflöst und mit Madsack eine gemeinsame Redaktion für Politik und Wirtschaft gründet. Etwas kritischer und pointierter als die Taz, betrachtet dies der Deutsche Journalisten-Verband NRW, der titelte: "DuMont: Abschied aus der ersten Liga". Schon zuvor hatten der Kölner Stadt-Anzeiger und der Express keine eigene Redaktion in Berlin, wurden aber wenigstens von der verlagseigenen Redaktionsgemeinschaft, die alle DuMont-Titel belieferte, mit Meldungen und Berichten zur Lage in der Mark Brandenburg und der überregionalen Politik versorgt.

Was sind die Gründe für den Niedergang des Traditionshauses DuMont?


Noch sind die heute bekannt gewordenen Pläne nicht offiziell bestätigt. Sie werden aber bisher auch nicht dementiert.

Das Internet wird allgemein für den Niedergang der meisten Zeitungen verantwortlich gemacht. Doch ist dies tatsächlich der wichtigste Grund? Oder sind es nicht eher Sparmaßnahmen bei Redaktionen und beim Korrespondentennetz? So kann immer weniger sauber recherchiert und im besten Falle aufgedeckt und enthüllt werden. Stattdessen wird Verlautbarungsjournalismus betrieben. Statements und Presseerklärungen von Regierungen, Unternehmen, Behörden, Wirtschaftsverbänden, Parteien und sonstigen Interessengruppen werden einfach abgeschrieben. Was sonst noch überregional gebraucht wird, kommt von der dpa und Associated Press (AP).

Folge: Die Schlagzeilen der deutschen Presseerzeugnisse ähneln sich frappierend, sind oft gar identisch. Wenig wird hinterfragt. Politischem und wirtschaftlichem Druck wird nachgegeben. Journalisten wissen, es geht wenig um die Qualität ihrer Berichterstattung, es geht um Kosten. Und wer zu sehr aufmuckt und intern oder extern kritisch agiert, steht schneller auf der Abschussliste als der Duckmäuser.

Was bedeutet dies für Köln? Chance oder noch mehr Provinzialisierung?


Im ersten Moment könnte man den (noch potentiellen) Verkauf als Chance betrachten. Denn aktuell kontrolliert DuMont den Kölner Pressemarkt und den weiter Teile der Region nahezu vollständig: Kölner Stadt-Anzeiger, Kölnische Rundschau, Kölner Express, Kölner Illustrierte, Live Magazin, Kölner Wochenspiegel, Wochenende, Werbekurier, Brühler Schlossbote, Anzeigenecho, Bergisches Handelsblatt ... Die Liste ist nicht vollständig. Hinzu kommen Lokalradios wie Radio Köln, Radio Berg, Radio Leverkusen, Radio Erft sowie digitale Plattformen und Services wie Corporate Publishing.

Ein Presse-Monopol kann lähmen, denn das eigentlich notwendige Regulativ, der kritische Beobachter, entfällt gelegentlich oder öfter. Hat DuMont in den vergangenen Jahrzehnten Köln gelähmt? Haben die Bürger, die Steuerzahler und die Mittelständler das erfahren, was wichtig ist in der Stadt und den Städten und Kreisen des Umlandes? Haben die Zeitungen, die Medien des Verlags den Vorhang aufgezogen oder zugehalten? Wenn die Verlegerfamilie DuMont in den Oppenheim-Esch-Fonds investiert ist [Link zu einem Artikel im Manager Magazin], könnte dies beispielsweise erklären, dass der Kölner Stadt-Anzeiger nicht Speerspitze der Aufklärung bei den Oppenheim-Esch-Affäre(n) war. Auch beim Kölner Müllskandal und der damit verknüpften, pardon, verschmierten Kölner Spendenaffäre war es die kleine, unabhängige StadtRevue, die früh investigierte und die richtigen Fragen stellte, nicht der Monopolist mit all seinen Möglichkeiten und Kontakten. Aber dürften Abonnenten und Leser nicht genau dies erwarten?

Andererseits ist DuMont wenigstens ein Unternehmen, das in Köln sitzt und aus Köln deutschlandweit agiert. Es steht zu befürchten, dass etwaige Käufer noch mehr einsparen und möglicherweise den Hauptsitz der verkauften Verlagsteile und Druckereien verlegen. Was wird aus dem DuMont Druckzentrum Köln? Anscheinend arbeitet es ohnehin seit Jahren nicht profitabel. Wird das ein oder andere Medium ganz verschwinden? Dass all dies für den regionalen Arbeitsmarkt und für die regionale Berichterstattung nicht positiv sein dürfte, ist klar.

Aktuell existiert eine Lücke. In diese könnte nur ein Verleger oder ein Projekt mit Mut, Visionen und Kapital vorstoßen. Alles zusammen findet sich in Zeiten der Shareholder Value nur noch höchst selten.

Wenn Sie mögen, informiert Sie der großartige Volker Pispers über bundesdeutsche Presseödnis und Verleger- und Witwenmacht auf YouTube. Denn leider spiegeln sich die Kölner Verhältnisse in größeren Dimensionen in ganz Deutschland.

Sind die klassischen Medien Fake News-Schleudern des Establishments? Gibt es gar Fake Parteiprogramme? Mehr dazu im Piraten-Comic auf skurrilen.de

Foto von Ana Quintans, entdeckt auf unsplash.com, Blick über die Dominikanerkirche St. Andreas nach Westen, von mir beschnitten und mit Schrift versehen; Text: rw, der Beitrag wurde von mir ergänzt und teil-überarbeitet | Zwei interessante Foto-Details: Wenn Sie das Bild groß genug betrachten, sehen Sie es in der Ferne am Horizont zu beiden Seiten des Colonius Fernsehturms dampfen. Links sind es die Kühltürme des Braunkohlekraftwerks Niederaußem, rechts die des Braunkohlekraftwerks Neurath, des gemesssen an der installierten elektrischen Bruttoleistung größten Kraftwerks Deutschlands. Der von Konrad Adenauer in seiner Zeit als Oberbürgermeister mit initiierte Grüngürtel war eine der Maßnahmen um die schädlichen Folgen von Braunkohlebergbau und Kraftwerken für Köln abzumildern.